angle-left Schweizer Bauforum 2020: Nachhaltig bauen – Wunsch und Wirklichkeit

Schweizer Bauforum 2020: Nachhaltig bauen – Wunsch und Wirklichkeit

Schweizer Bauforum 2020:
Nachhaltig bauen – Wunsch und Wirklichkeit

Nachhaltiges Bauen im Reality-Check – was wurde geplant, was hat sich in der Praxis bewährt? Das war Thema des Schweizer Bauforums 2020, das 120 Bau- und Immobilienfachleute zu einer Online-Konferenz in die Suurstoffi nach Rotkreuz lud.

Die Stadt Zürich muss ihre Anstrengungen «massiv verstärken», wenn sie das Ziel von Netto Null CO2-Ausstoss erreichen will, wie Katrin Gügler, Direktorin im Amt für Städtebau der Stadt Zürich, am Schweizer Bauforum ausführte. Das fand am Mittwoch, 18. November 2020, in einer Online-Variante vor 120 Bau- und Immobilienfachleuten statt. Es wird veranstaltet vom Institut für Gebäudetechnik und Energie IGE und vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS).

Die Anforderungen an die Baubranche, den Ausstoss schädlicher Klimagase zu drosseln und den Energiebedarf zu senken, sind hoch. Und trotz aller Massnahmen steigt der CO2-Ausstoss stetig weiter, wie Dietmar Eberle von Baumschlager Eberle Architekten feststellt. Die Klimaziele können nur erreicht werden, wenn die Branche eine drastische Evaluation der Mittel aus der Vergangenheit durchführt. «Im Bauen hat man sich Schritt für Schritt hochgerüstet», sagte Eberle, «es lohnt sich aber, alles wegzulassen und zu schauen, was wirklich nötig ist.» Er plädierte dafür, sich auf einige wenige, aber grundlegende Kriterien zu konzentrieren und nannte Gesundheit, Komfort, das Nutzen lokaler und natürlicher Ressourcen sowie die Reduktion von Energieverbrauch, CO2-Emmission und von Erstellungs- und Betriebskosten. Unter dem Titel «2226» realisiert Baumschlager Eberle Architekten in der Schweiz, in Österreich und Deutschland aus Ziegelstein gemauerte Gebäude komplett ohne Technik, auch ohne Heizung oder Lüftung.

Solche radikalen Schritte könnten die Lösung sein, dem stimmt auch Holger Wallbaum zu, Professor für Nachhaltiges Bauen an der Chalmers University of Technology in Göteborg und vorher lange an der ETH Zürich. Er zieht in seinem «Faktencheck Bau – Wunsch und Wirklichkeit» den Blickwinkel auf, schaut auf europäische und globale Dimensionen und attestiert der Schweiz, nach sehr fortschrittlichen Anfängen aktuell nicht genügend zu tun. Er formulierte drastisch: «Es geht nicht mehr um eine Transformation. Es geht nur noch mit einem radikalen Bruch.»

Peter Wellauer, Geschäftsführer der BETONSUISSE AG, sieht auch in Zukunft Potential für den Baustoff Beton. Er plädiert dafür, mit länger nutzbaren, regionalen Baustoffen zu bauen, weitsichtiger und intelligenter zu planen, um weniger Material und Energie zu verbrauchen und dabei den Rückbau einzuplanen, Stichwort: «Urban Mining». Diesem Ansatz folgte Losinger Marazzi AG in den Quartieren Greencity in Zürich-Manegg und Erlenmatt West in Basel. Nina Tammler und René Bäbler stellte die beiden «2000-Watt-Areale» als lebendige Quartiere vor.

Die Suurstoffi in Rotkreuz gilt sogar als «Netto Null»-Areal. Dafür sorgen ein Anergienetz und Photovoltaik-Anlagen, wie Martin Jöri, Leiter strategisches Arealmanagement bei Zug Estates AG, in seinem «Praxisbericht Suurstoffi» ausführte. Zug Estates AG war Pionier in der Schweiz und musste deshalb zahlreichen Herausforderungen begegnen. Etwa wenn Planwerte in der Realität nicht eintrafen, das System nicht flexibel genug reagieren konnte oder Pflichtenhefte nicht klar formuliert waren. Jöri riet daher, Anlagen immer vom Ende her zu denken und die Planung daran auszurichten.
Sarah Thury, Projektleiterin Strategy & Development, hat bei Wincasa AG die Aufgabe, den CO2-Ausstoss des bestehenden Immobilienportfolios zu reduzieren. «Die energetische Umrüstung des Gebäudeparks ist für den Erfolg der schweizerischen Energiewende zentral», sagt sie. Doch könne die Wincasa AG nicht auf standardisierte Lösungen setzen, sondern müsse spezifische Massnahmen für jedes einzelne Gebäude finden.

Peter Schmid von der Baugenossenschaft mehr als wohnen stellte klar, dass ein Investor viele Möglichkeiten habe, um eine Überbauung wie das Zürcher Hunziker-Areal zu einem lebendigen und auch sozial nachhaltigen Quartier zu machen. Berücksichtigen müsse man dabei, dass die Struktur der Bewohnenden durchmischt sei. Das gelte nicht nur für Alter und Einkommen der Bewohnenden, sondern auch für die Zusammensetzung im Haus und den Mix verschiedener Wohnformen.

Referate

Nachhaltiges Planen und Bauen im Kontext der wachsenden Stadt: Wo stehen wir?
Katrin Gügler, Amt für Städtebau, Stadt Zürich

Von der Zukunft der Vergangenheit ODER von der Vergangenheit der Zukunft
Prof. Dietmar Eberle, Baumschlager Eberle Architekten

Wie werden Sie in Zukunft Ihre Bauträume materialisieren?
Peter Wellauer, BETONSUISSE Marketing AG

Reality Check: Umsetzbarkeit von CO2-Reduktionszielen in bestehenden Immobilienportfolios
Sarah Thury, Wincasa AG

Praxisbeispiel Suurstoffi
Martin Jöri, Zug Estates AG

Greencity und Erlenmatt West im Dialog
Nina Tammler und René Bäbler, Losinger Marazzi AG

Lebendige Quartiere – Was der Investor dazu beitragen kann
Peter Schmid, Baugenossenschaft mehr als wohnen

Faktencheck Bau – Wunsch und Wirklichkeit
Prof. Dr. Holger Wallbaum, Chalmers University of Technology

 

Poster

Nachhaltig Attraktiv
Mirlo Urbano Architekten GmbH

Nachhaltiges Bauen mit SNBS
Pirmin Jung Schweiz AG

Energiesystem Suurstoffi
Zug Estates AG

SNBS Infrastruktur – 7 Gründe sprechen für ihn
Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz NNBS

Intelligentes Regenwasser-Management
Bluehub

«Pre-Check» SNBS 2.0 Hochbau
Hochschule Luzern, Institut für Gebäudetechnik und Energie IGE

Smart City Tool
2000 Watt Areal

Hier finden Sie die Aufzeichnungen der Referate als MP4-Datei
 

Nachhaltiges Planen und Bauen im Kontext der wachsenden Stadt: Wo stehen wir?
Katrin Gügler, Amt für Städtebau, Stadt Zürich

Von der Zukunft der Vergangenheit ODER von der Vergangenheit der Zukunft
Prof. Dietmar Eberle, Baumschlager Eberle Architekten

Wie werden Sie in Zukunft Ihre Bauträume materialisieren?
Peter Wellauer, BETONSUISSE Marketing AG

Reality Check: Umsetzbarkeit von CO2-Reduktionszielen in bestehenden Immobilienportfolios
Sarah Thury, Wincasa AG

Praxisbeispiel Suurstoffi
Martin Jöri, Zug Estates AG

Greencity und Erlenmatt West im Dialog
Nina Tammler und René Bäbler, Losinger Marazzi AG

Lebendige Quartiere – Was der Investor dazu beitragen kann
Peter Schmid, Baugenossenschaft mehr als wohnen

Faktencheck Bau – Wunsch und Wirklichkeit
Prof. Dr. Holger Wallbaum, Chalmers University of Technology