Nachhaltiges Bauen

Wie wir bauen, ist wichtig, wenn es um die nachhaltige Entwicklung der Schweiz geht (siehe Schweizerischer Bundesrat, Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016-2019, 27.1.2016: S. 19). Dies gilt sowohl für die Gebäude und Infrastrukturbauten an sich, als auch für die Entwicklung von Quartieren und Arealen sowie für die Raumplanung.

Das Konzept des nachhaltigen Bauens beruht auf dem 3-Säulen-Modell mit den Dimensionen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Dementsprechend muss es einen Beitrag zur gesellschaftlichen Solidarität, zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes sowie zum verantwortlichen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen leisten.

Mit fast 60 Mia. Franken Investitionsvolumen pro Jahr birgt der Schweizer Baubereich ein erhebliches Handlungspotenzial. Um es auszuschöpfen, müssen alle über den Lebenszyklus einer Baute involvierten Anspruchsgruppen ihre Verantwortung wahrnehmen – also von der Finanzierung, Planung, Ausführung bis zum Betrieb und Rückbau. Dabei gilt es beispielsweise:

  • Die städtebaulichen Qualitäten zu erhalten bzw. zu steigern
  • Gesundheit, Sicherheit und Behaglichkeit sicherzustellen
  • Eine zukunftsfähige Infrastruktur und Grundversorgung zu schaffen
  • Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Planungs-, Bau- und Immobilienwirtschaft zu stärken
  • Die Investitionen in nachhaltige Immobilien zu fördern
  • Die Lebenszykluskosten zu minimieren
  • Naturräume und Artenvielfalt zu erhalten
  • Effizient mit Ressourcen umzugehen
  • Die Umweltauswirkungen zu minimieren (Boden, Wasser, Klima, Luft)
  • Den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Die spezielle Herausforderung beim nachhaltigen Bauen ist, gesellschaftliche, individuelle und institutionelle Interessen sowie bereits Begonnenes und Geplantes gegeneinander abzuwägen und in Einklang zu bringen. Das NNBS bietet hierfür eine Plattform, will konkrete Handlungen auslösen und sie effektiv unterstützen.

Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS

Mit dem SNBS wurde ein übergreifendes Konzept für das nachhaltige Bauen in der Schweiz geschaffen. Er umfasst das Gebäude an sich und den Standort im Kontext seines Umfeldes. Er ermöglicht es, die Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaft und  Umwelt gleichermassen und möglichst umfassend in Planung, Bau und Betrieb mit einzubeziehen. Voraussetzung hierfür ist die Sicht auf den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie.

Die Ziele des SNBS wurden aufgrund der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundesrats festgelegt und mittels geeigneter Kriterien und Indikatoren beschrieben. Wo möglich wurde auf Bewährtes und Bestehendes zurückgegriffen – wo nötig wurden Neues hinzugefügt. Die erste Version wurde 2013 veröffentlicht und anschliessen in einer Pilotphase an 28 Gebäuden erprobt. Seither wurde der Standard aufgrund der gewonnen Erfahrungen mehrfach überarbeitet. Dabei ging es immer darum, ein einfach anwendbares Instrument zu erarbeiten, das einen Mehrwert für die Bau- und Planungsbranche schafft.

Der SNBS wurde auf Initiative von Wirtschaft und Öffentlicher Hand entwickelt. Finanziert wurde die Entwicklung vom Bundesamt für Energie über das Programm EnergieSchweiz. Diese breite Abstützung verleiht ihm Glaubwürdigkeit. Der SNBS wird vom Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz NNBS getragen und weiterentwickelt. Dabei hat sich zum Ziel gesetzt:

  • Ein Konzept zu schaffen, das das nachhaltige Bauen ganzheitlich, aber auf die wesentlichen Punkte fokussiert abdeckt
  • Die Schweizer Planungs- und Baukultur einzubeziehen
  • Die bewährten Instrumente und Labels der Schweiz zu integrieren
  • Den Aufwand für die Anwender während der Planung zu optimieren

Seit Ende August 2016 liegt der SNBS in der aktuellen Version 2.0 vor. Sie ist verglichen mit früheren Versionen nochmals deutlich schlanker und stimmiger geworden. Neu hinzugekommen ist ein Zertifizierungsverfahren, das es der Bauherrschaft ermöglicht, sich ihre Leistungen bezüglich Nachhaltigkeit von neutraler Seite bestätigen zu lassen. Zurzeit können die Nutzungsarten Büro/Verwaltung und Wohnen zertifiziert werden – sowohl für Neubauten als auch für bestehende Gebäude (Bestand). Mischnutzungen mit Gewerbe im Erdgeschoss sind möglich. Wenn keine Zertifizierung angestrebt wird, lässt sich der Standard auch für andere Nutzungen anwenden. In der Praxis wurden beispielsweise schon Schul- oder Produktionsgebäude damit beurteilt. 

 

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