Swissbau 2016: Controlling im nachhaltigen Bauen – Wie geht das? Was kann das?

Event

Der Workshop zum Thema „Controlling im nachhaltigen Bauen - Wie geht das? Was kann das?“ war komplett ausgebucht. Das mag angesichts des doch etwas spröden Themas erstaunen, zeigt aber, dass sich die Branche schon sehr mit dem Umsetzen des SNBS auseinandersetzt.

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Bericht

Lorenz Bettler, Projektmanager beim Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), führte den Workshop so, wie es sein sollte, er liess das Publikum mitdenken und mitreden. Kern des Austauschs waren seine Erfahrungen bei der Planung des neuen UVEK-Verwaltungszentrums an der Pulverstrasse in Ittigen bei Bern. Es wurde im Rahmen der Pilotphase 2014 nach SNBS zertifiziert.

Einen zentralen Ratschlag gab er schon ganz am Anfang: Das Nachhaltigkeits-Controlling muss bereits bei den ersten Strichen beginnen. Je früher man anfängt, umso grösser sind die Einflussmöglichkeiten. Nur so lässt sich die Bauherrschaft zu einem Zeitpunkt gewinnen, an dem noch alles offen ist und sich Nachhaltigkeit mit überschaubarem Aufwand als Anforderung integrieren lässt.

Wirksames Controlling bei nachhaltigen Projekten heisst für Bettler:

  • Das Projekt zu einem geeigneten Zeitpunkt nach einer klaren Systematik prüfen
  • Die Prüfung übersichtlich dokumentieren
  • Die Resultate der Prüfung individuell interpretieren
  • Das Projekt bei Bedarf durch präzise Vorgaben steuern
  • Das Resultat der Steuerung bewerten und dokumentieren

Eine Traktandenliste für die Nachhaltigkeit

Für allererste Projektsitzungen hat das BBL aus dem SNBS und der SIA 112/1 eine sogenannte Shortlist kreiert. Sie dient  quasi als Traktandenliste, die sicherstellt, dass die Nachhaltigkeit bereits dort ihren Platz erhält. Zu diesem Zeitpunkt schon mit der vollständigen SNBS-Liste zu arbeiten, wäre sehr unpraktisch. Vielmehr geht es darum, aus alle den Kriterien die herauszupicken, die für die jeweiligen Bauherrschaften und Projekte besonders relevant sind.

Zu den wenig relevanten Kriterien für öffentliche Bauherren zählt beispielsweise die Regionalökonomie. Hier sind ihnen die Hände gebunden, weil die Vergabe nach WTO kaum Spielraum für die Bevorzugung lokaler Anbieter bietet. Dieses Kriterium galt im Übrigen auch unter den Teilnehmenden als ziemlich schwer interpretier- und implementierbar.

Mit dem frühen Einstieg ist es aber nicht getan – das Controlling muss ein Projekt über alle SIA-Phasen in angemessener Weise begleiten. Beim UVEK-Gebäude wurden folgende Controlling-Schritte unternommen:

  • Im Wettbewerb wurden Zieldefinitionen nach SIA 112/1 (jeweils 2 markante pro Bereich) verankert und geprüft.
  • Basierend auf dem Siegerprojekt wurde steuernd via Juryempfehlung und Pflichtenheft eingegriffen.
  • Das Vorprojekt wurde nach SNBS geprüft, darauf basierend wurden die Beteiligten auf die schwierige Themen sensibilisiert
  • Das Bauprojekt wurde nach SNBS geprüft, darauf basierend wurden steuernde Eingriffe für die Ausschreibung formuliert

Das alles ist nicht gratis zu haben. Insgesamt füllten die Unterlagen zu Nachhaltigkeits-Controlling bei diesem Projekt drei Bundesordner.

Angesichts eines solchen Aufwandes wollte eine Teilnehmerin wissen, ab welcher Projektgrösse sich Controlling lohnt. Das hänge nicht allein vom Investitionsvolumen ab, sagte Bettler, sondern müsse individuell entschieden werden. Wesentlich sei vor allem die Tragweite eines Projekts in einem der drei Nachhaltigkeitsbereiche. So betrachtet können im Extremfall auch schon Projekte vom Umfang eines Einfamilienhauses ein Fall fürs Controlling sein.

Download

Arbeitsmaterial des Workshops «Controlling im nachhaltigen Bauen – Wie geht das? Was kann das?»

 

Lorenz Bettler, Projektleiter, Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL)


Galerie

Joe Luthiger
Lorenz Bettler
Workshop-Teilnehmer

Mitglieder: