Swissbau 2018: Labels – Nutzen in der Praxis

Event

Im Zentrum der Focus-Veranstaltung von GEAK und SNBS stand die vom Bund geförderte "Label-Familie", bestehend aus GEAK, Minergie, 2000-Watt-Areale und SNBS. Die Teilnehmer erfuhren, wie sich diese Labels und Standards in der Praxis ergänzen und was sie fürs nachhaltige Bauen leisten können.

Besuchen Sie auch den Swissbau Focus Blog!

   

 

Bericht

Nach einer kurzen Einführung von Eric Brandt, Geschäftsführer GEAK, kamen mit Olivier Meile, Leiter Bereich Gebäudetechnologie beim Bundesamt für Energie (BFE), und Olivier Brenner, Stv. Generalsekretär der Konferenz Kantonaler Energiedirektoren (EndK), zwei Vertreter der öffentlichen Hand zu Wort. Sie zeigten, dass die spezifischen und die absoluten Treibhausgasemissionen der Gebäude seit 1990 deutlich gesunken sind. Hierzu hätten auch die Labels beigetragen – allen voran Minergie. Ihr Nutzen sei insbesondere, dass sie zeigen, was über die gesetzlichen Anforderungen hinaus sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand für die Energieeffizienz getan werden kann.

Bund unterstützt vier Labels
Labels wirken auch auf die Gesetzgebung. So flossen in der Vergangenheit immer wieder Anforderungen von Minergie in die Revisionen der MukEn (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich) mit ein. Wichtig aus Sicht von Meile ist auch, dass Labels die Bestellerkompetenz erhöhen. Sie erleichtern es Bauherrschaften nämlich, zukunftsfähige Gebäude zu bestellen, ohne sich detailliert mit den technischen Details auseinandersetzen zu müssen.

Der Bund hat sich in der Vergangenheit stark bei der Entwicklung der vier Labels Minergie, GEAK, 2000-Watt-Areale und SNBS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz) engagiert. Weitere werde er nicht unterstützen, sagte Olivier Meile. Aus Sicht von Olivier Brenner ergänzen sich die vier Standards optimal und decken fast jede Nische im Markt ab. Sie seien untereinander kompatibel, ohne sich gegenseitig zu konkurrenzieren. Während es beim GEAK ausschliesslich um die Energie geht, schliesst Minergie auch Komfort und Baumaterialien ein. Die 2000-Watt-Areale öffnen den Blick für das, was über das einzelne Gebäude hinaus passiert, und der SNBS deckt die Nachhaltigkeit umfassend ab.

Die Wahl zu haben, ist gut
In dieselbe Richtung argumentierte auch Ulrich Nyffenegger, Vorsteher Amt für Umweltkoordination und Energie Kanton Bern. Die Frage, ob es sinnvoll sei, verschiedene Labels für Gebäude zu haben, hält er für so überflüssig wie jene, ob es sinnvoll sei, verschiedene Hüte zu haben. So wie es einen Hut für Regenwetter, einen für den Sommer und einen gegen Kälte gibt, braucht es auch Labels, die die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bauherren abdecken.

Das vom BFE unterstütze Label-Quartett hält er für zweckdienlich, weil es die Bandbreite der Bedürfnisse in der Schweiz abdeckt. Zudem hätten die Trägerorganisationen in gut schweizerischer Manier dafür gesorgt, dass es zwischen den Labels Synergien gebe. So verwenden der GEAK und Minergie dieselben Berechnungs-Tools für Energie und Lüftung. Der SNBS wiederum hat die Anforderungen von Minergie weitgehen integriert.

Am Ende entscheidet immer die Bauherrschaft

Jürgen Friedrichs, Leiter Raumentwicklung Region Nord-Ost bei Losinger Marazzi AG, erklärte, warum sein Unternehmen grundsätzlich mit Labels baut. 95 Prozent aller Projekte sind entweder nach einem der vier erwähnten Schweizer Labels und/oder anderen, teilweise internationalen zertifiziert. Damit wolle man unter anderem sicherstellen, «dass heute Gebautes auch in 50 Jahren noch einen gewissen Wert hat».

An Beispielen aus der Praxis zeigte er, wo welche Labels eingesetzt wurden. Entscheidend für die Wahl sind unter anderem die Art und Grösse eines Objekts sowie seine Nutzung. Zudem kommt es darauf an, auf welcher Ebene beurteilt wird (Quartier, Gebäude, Bauteil, Bauprodukt). Auch die Schwerpunkte, die bei der Nachhaltigkeit gesetzt werden, beeinflussen die Wahl. Und am Ende entscheide sowieso die Bauherrschaft.

Aus dem Publikum wurde gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre, auf freiwillige Labels zu verzichten und stattdessen die Gesetze so zu verschärfen, dass alle möglichst nachhaltig bauen müssen. Die Referenten waren sich einig, dass es sowohl Labels als auch griffige Vorschriften braucht, wenn der Bau seine Nachhaltigkeitsziele erreichen soll. Damit die freiwilligen Instrumente auch wirken, müssen sie einen Mehrwert bieten. Dem trägt man beim Bund Rechnung, indem die Förderung für energieeffizientes Bauen bis 2025 deutlich aufgestockt wird.

Download

Arbeitsmaterial des Workshops «Labels – Nutzen in der Praxis»

 

Einführung
Eric Brandt, Geschäftsführer GEAK

Warum Bund und Kantone auf Labels setzen?
Olivier Meile, Leiter Bereich Gebäudetechnologie, Bundesamt für Energie
Olivier Brenner, stv. Generalsekretär EnDK, Konferenz Kantonaler Energiedirektoren

Wie Projekt- und Arealentwickler zu Labels stehen
Jürgen Friedrichs, Leiter Raumentwicklung Region Nord-Ost, Losinger Marazzi AG

Galerie

Mitglieder: